Vom Oberflächenschmutz befreit

Das Ölgemälde "Im März (Vorfrühling)", das 1908 von Fritz Overbeck (1869-1909) gemalt wurde, erstrahlt wieder im alten Glanz. In einem dreiwöchigen Restaurierungsprozess befreite Herr Krus, Gemälderestaurator des Landesmuseums, das Werk von einer Oberflächenverschmutzung, die sich im Laufe der Jahrzehnte gebildet hatte. Wahrscheinlich war die Oberfläche des Gemäldes seit seiner Entstehung nicht ein einziges Mal gereinigt worden. Der Unterschied ist nun deutlich zu erkennen. Im Februar wird das Gemälde wieder an seinem alten Platz im Prinzenpalais ausgestellt.

Im Interview erzählt Herr Krus, wie die Restaurierung abgelaufen ist und welche Schritte er unternommen hat.

Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden, dass das Gemälde restauriert werden müsste?

Krus: Ich habe meinen wöchentlichen Kontrollgang durch die Sammlung des Museums gemacht, der notwendig ist, um aus konservatorischer Sicht den Zustand der Bilder zu beurteilen und eventuelle Schäden zu erkennen und zu beseitigen. Dabei ist mir das Gemälde "Im März (Vorfrühling)" aufgefallen, denn ich bin über seinen Titel gestolpert: das Bild vermittelte - gegensätzlich zur Bezeichnung "Vorfrühling" - eine eher herbstlich-dunkle Atmosphäre. Ich habe also vermutet, dass eine leichte Verschmutzung der Farboberfläche vorliegen könnte, die die Farben dunkler erscheinen lässt. Durch eine Probe, die ich machte als das Gemälde noch in der Ausstellung hing, bestätigte sich meine Vermutung: Die Oberfläche war nicht nur leicht, sondern stark verschmutzt und die Farbigkeit dadurch sehr verändert.

Sie haben sich dann also dazu entschlossen, den "Vorfrühling" zu restaurieren.

Krus: Genau, ich habe meine Erkenntnisse und mein Vorhaben, das Gemälde zu restaurieren, mit dem Direktor des Hauses und der Kuratorin Dr. Anna Heinzebesprochen und konnte daraufhin das Bild in meine Werkstatt holen. Als erstes habe ich das Gemälde dann aus seinem Rahmen genommen, um an die gesamte Gemäldeoberfläche zu gelangen. Bevor ich mit der Restaurierung des Gemäldes angefangen habe, war es notwendig, ein sogenanntes Restaurierungskonzept in Stichworten zu erstellen, in dem ich meine Vorgehensweise genau plane. Zur Planung zählt die sogenannte Konsolidierung der Oberfläche, bei der die Farbschicht auf ihre Haftung zur Leinwand untersucht wird, um bei der Berührung der Farboberfläche keine Farbverluste zu haben. Der nächste Schritt des Konzeptes war die Entstaubung der Farboberfläche mit einem Pinsel, der sehr weiche Haare hat. Danach musste ich testen, welche Methode sich am besten für die weitere Restaurierung eignet. Der Restaurator muss zwischen der Belastung der Farboberfläche, die sehr gering sein sollte, und der Effektivität der Reinigungsmethode abwägen.

Wie haben Sie herausgefunden, welche Methode geeignet ist?

Krus: Bei meiner langjährigen Tätigkeit als Gemälderestaurator im Museum habe ich einen großen Erfahrungsschatz gewonnen und kann somit Vermutungen dazu anstellen, welche Methoden ich anwenden könnte. Ich muss jedoch immer bedenken, dass Künstler Individualisten sind und nicht bei jedem ihrer Werke dieselben Materialien und Techniken verwenden. Um einige Tests komme ich also nicht herum. Ein Verfahren, um die Oberfläche zu reinigen, wäre die Trockenreinigung, zum Beispiel mit Radiermehl. Eine andere Methode ist die Oberflächenreinigung mit Enzymen oder mit sogenannten nicht-ionischen Tensiden.

Welche Methode haben Sie beim "Vorfrühling" angewendet?

Krus: Bei diesem Gemälde bot sich die Arbeit mit nicht-ionischen Tensiden an. In diese Lösung habe ich dann einen mit Watte umwickelten Holzspieß getunkt und damit vorsichtig über einen kleinen Ausschnitt der Farboberfläche - etwa fünf mal fünf Zentimeter - gerollt. Das Tensid löst den Schmutz und dieser bindet sich an die Watte, die sich dadurch dunkel verfärbt. So habe ich mich Abschnitt für Abschnitt vorgearbeitet und diesen Vorgang wiederholt, bis ich die ganze Oberfläche gesäubert hatte. Das war bei diesem Gemälde, das ein Bildmaß von 128 mal 190 Zentimeter hat, ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Meine Freude über den Restaurierungserfolg wuchs von Quadratzentimeter zu Quadratzentimeter.

Und das Ergebnis?

Krus: Da das Gemälde außergewöhnlich stark verschmutzt war, sieht man den Unterschied zwischen der Farbgebung vor und nach der Restaurierung besonders deutlich. Der "Vorfrühling" strahlt wieder eine frühlingshafte Atmosphäre aus - so wie der Maler es beabsichtigt hat. Danke Fritz Overbeck, dass Du uns so ein tolles Bild hinterlassen hast!

Auch der Rahmen des Gemäldes wurde restauriert. Mehr dazu hier.

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