Renaissance und Manierismus

Seit Ende des 15. Jahrhunderts beschleunigten zahlreiche gesellschaftliche und technische Erfindungen und Entdeckungen den Fortschritt, der auch die Künste beeinflusste. Die nun beginnende Epoche der Renaissance, abgeleitet von italienisch „rinascita“ (Wiedergeburt), gilt als Zeit der Wiederentdeckung der Antike und der Entdeckung des Individuums in der Kunst. Insbesondere in Italien entwickelte sich diese Kultur und strahlte von hier aus auf den gesamten europäischen Kontinent aus. Viele Künstler aus dem Norden reisten nach Italien, um sich dort weiter zu bilden.

Gleichzeitig wurde die Malerei technisch weiterentwickelt: Neben die Temperamalerei trat die Ölmalerei, die es erlaubte, starke Kontraste, sanfte Übergänge und transparente Lichteffekte zu realisieren. Das Ergebnis war eine Malerei, die die gemalten Gegenstände und Personen höchst wirklichkeitsnah zeigen konnte.

Jan van Scorel, Bildnis eines venezianischen Edelmannes, um 1520

Das Portrait eines Edelmannes von Jan van Scorel ist das Ergebnis einer solchen Malerei: Mit einem präzisen Blick für stoffliche Details wie Haare und die Struktur der Kleidung ist der Dargestellte in selbstsicherer Pose dargestellt. Das Individuum in seinen einzigartigen Charakterzügen tritt so dem Betrachter entgegen.

In der Kunst der Renaissance spielten kirchliche Auftraggeber und religiöse Motive nach wie vor eine große Rolle. Die wichtigsten Künstler der Hochrenaissance, insbesondere Michelangelo und Raffael, entwickelten ihre Kunst im Dienste der Kirche. Benvenuto Tisi, gen. Il Garofalo, der in Rom die Kunst Raffaels studiert hatte, schuf die Darstellung der Hl. Katharina, die wie eine antike Statue in klassisch-ausgewogener Pose komponiert ist. Auch die Architekturelemente verweisen auf das Erbe der Antike. Das Gemälde diente als Andachtsbild, um als Medium religiöser Hinwendung zu funktionieren.  

Die nachfolgenden Künstlergenerationen nach dem Ende der Hochrenaissance um 1520 entwickelten deren Kunst weiter. Anstatt menschliche Körper genau wiederzugeben, wurden die Figuren zusehends graziler, von überlängten Proportionen und teils unnatürlicher Körperhaltung. Der spätere Epochenbegriff Manierismus, abgeleitet von „maniera“ (Manier, Art und Weise), dem man der Kunst zwischen 1520 und 1600 gab, interpretierte dies als Verfallserscheinung. Tatsächlich lag dieser stilistischen Veränderung das Ziel zugrunde, eine besonders „kunstvolle“ Kunst zu schaffen, die sich bewusst mit Vorbildern der Renaissancekunst auseinandersetzte, aber eigene Akzente setzen wollte.

Bartholomäus Spranger, Amor und Psyche, um 1600

Bartholomäus Spranger gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Manierismus nördlich der Alpen. Er arbeitete vor allem im Dienste Kaisers Rudolf II. in Prag und schuf für diesen zahlreiche Kunstwerke. Das Gemälde „Amor und Psyche“ erzählt einen antiken Mythos, in dem die Sterbliche Psyche und der Gott Amor nach einer Reihe von Prüfungen als Geliebte zueinander finden. Sprangers Gemälde ist eine kunstvolle Verschachtelung dieses Inhaltes als Bild im Bild, indem er die Figuren in eine reich ausgestaltete Architektur einsetzt, die ihrerseits voller Antikenzitate ist.

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